Immer der Nase nach

Sie genieren sich, beim Wein mitzureden, weil Sie denken, Sie riechen nicht das Richtige? Dann habe ich eine gute Nachricht für Sie: «Das Richtige» gibt es nicht!

Komisch: Dass jeder Mensch eine andere Haarfarbe hat oder eine andere Schuhgrösse oder eine andere Ohrenform, findet man normal. Aber wenn’s um die Nase geht, kennen viele Weinfreunde nur eine: ihre eigene. Sie insistieren, der Wein dufte nach Cassis, obwohl ihr Tischnachbar vielleicht Kirsche erschnuppert. Dabei haben wahrscheinlich beide Recht. Denn Nasen sind so verschieden wie Fingerabdrücke. Das haben Forscher der Wein-Fakultät Bordeaux durch ein Experiment herausgefunden. Sie setzten 300 Profiverkostern in einem Blindtest die wichtigsten Duftmoleküle aus dem Wein vor und baten sie, diese zu benennen. Das Resultat war beeindruckend.

Es zeigte nämlich, dass die Wahrnehmungsschwelle für ein und dasselbe Aroma bei jedem Menschen völlig anders ist. So erschnuppert Testperson A den Korkschmecker vielleicht schon aus 50 Metern Entfernung, während Versuchskaninchen B den Duft erst in geballter Ladung erkennt. Oder der eine springt mehr auf Cassis an und der andere auf, eben, Kirsche. Noch erstaunlicher: Jeder Mensch hat einen Blindspot; das ist ein Duft, den er absolut nicht wahrnehmen kann. Meiner zum Beispiel ist ein Molekül namens Geosmin, welches unter anderem in Randen vorkommt. Und die Moral von der Geschicht: Die Supernase gibt es nicht. Ist doch beruhigend, oder?

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